S-Bahn-Schläger: Leider keine Ausländer

Es ist wieder passiert.

Irgendwelche „gewaltbereite Jugendliche“ haben es wieder getan:

München – Bei einem brutalen Angriff an einer Münchner S-Bahn-Station ist ein 50-jähriger Fahrgast am Samstag getötet worden. Nach Angaben eines Polizeisprechers hatte der Mann noch in der S-Bahn versucht, eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Jugendlichen zu schlichten.

Nachdem alle Beteiligten am S-Bahnhof Solln ausgestiegen waren, hätten zwei der Jugendlichen im Alter von 17 und 18 Jahren den Mann angegriffen und ihn zu Boden geschlagen (…) Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er am Abend seinen schweren Kopfverletzungen erlag.

(…)

(Quelle: Spiegel Online)

Eine klitzekleine Frage: Was fehlt?

Genau: die Nationalität der „Angreifer“.

Wenn es Deutsch-Türken, Türken, Russen oder sonstige Migranten gewesen wären, wäre das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mindestens einmal im Artikel aufgetaucht.

Aber leider, leider erzählt mir „mein“ – sonst so verehrter – Spiegel hier nicht, dass es sich nur um Deutsche gehandelt hat. 2 Deutsche (Markus und Sebastian), beide gebürtige Münchner, beide arbeitslos ohne Berufsausbildung, wegen diversen Delikten vorbestraft und der ältere der beiden sogar zur Tatzeit mit ca. 0,89 Promille angetrunken.

Sogar die BILD nennt die Nationalität, was mich echt erstaunt – nutzt aber die Gelegenheit für ein bisschen versteckte Meinungsmache gegen Jugendkriminalität. War ja klar. 🙄

Post scriptum: Weitere Reaktionen diverser (Online-)Medien:

– Der Focus (hier, hier nutzt das Thema (ausnahmsweise) sozialverträglich und nennt die Nationalität: DEUTSCHE, sogar geboren in München.

– Die WELT nutzt das Thema gleich mal für die eigene Sache und erzeugt durch einseitige Berichterstattung Kommentare wie diesen hier: „Direkt an die Wand stellen und erschießen. Das waren bestimmt keine Deutschen. Scheiß Pack!!!“ [sic]. Bitter, was Vorurteile so ausrichten können.

– Die FAZ nennt ebenfalls die Nationalität und berichtet ausführlich und meiner Meinung nach echt objektiv. Toll!

– Die taz nennt auch nicht den sozialen Hintergrund. Warum?

– Die Abendzeitung nimmt ein wenig subjektiv dazu Stellung, nennt Vornamen aller Beteiligten, schürt überzogen Mitleid beim Leser und interviewt leider auch noch Herrn Christian Pfeiffer, was ihm so mal wieder zu einem Auftritt in den Medien und einer Chance zur Hetze gegen „brutale Computerspiele“ verhilft. Klasse, echt.

Nachtrag, 14.09.2009, 21:43 Uhr:
Der Spiegel erwähnt zwar weiterhin nirgends, welchem Kulturkreis die Täter angehören, analysiert die gesamte Tat jedoch in einem zweiten, sehr ausführlichen Artikel, konfrontiert Herrn Horst Seehofer zudem mit dem „Koch-Debakel“ und den offensichtlich rein auf Wahlkampf bedachten Äußerungen seiner CSU-Parteikollegen und tritt auch noch selbst für die gute Sache ein. Bravo, so gehört sich das!

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~ von NeZ - 13. September 2009.

4 Antworten to “S-Bahn-Schläger: Leider keine Ausländer”

  1. Die Jugendlichen müssen natürlich frei gesprochen werden, denn sie können nichts dafür.
    Die Evolution und auch die Gesellschaft produziert immer wieder solche Genotypen, die z.B. für Kriege in Afghanistan dringend gebraucht werden.
    Darum: sprecht die Jugendlichen frei und schickt sie nach Afghanistan!!!!

  2. Hm, schickt doch alle Genozid-Typen gleich hinterher?

    Dann ist es nämlich egal, ob dann Afghanistan „befreit“ wird oder alle Nazi-Idioten sterben: wir haben auf jeden Fall eine Win-Win-Situation. 😉

  3. Ok, vergiss das mit der E-Mail. Wenn ich dich hier nerven darf, soll’s mir recht sein. 😛

    Zum Artikel selbst: Finde es interessant, das wir nahezu den selben Zeitungsgeschmack haben. »Die Welt« ist übrigens auch aus dem Springerverelag, also meiner Meinug nach wie »Bild«, nur mit kleineren Überschriften, aber dafür mehr polemischem Text.
    Zum Thema: Ich glaube nicht, dass ess hilft, jetzt zu zerpflücken, aus welchem Umfeld die Täter stammen und ob, wie von diesem Herrn Hermann gefordert, höhere Strafen sinnvoll sind. Für mich ist entschidener, dass nur ein einzelner Mann aufgestanden ist, den Opfern zu helfen und die (laut meiner Zeitungslektüre) 15 weiteren S-Bahn-Passagiere nicht miteingeschritten sind. Ich denke aber auch, dass man diesen 15 Personen schwer einen Vorwurf machen kann, vermutlich würden die meisten vor Schreck und Angst erstarren, nicht wissend, was zu tun ist. Und in meinen Augen ist das der Punkt an dem man anstetzen sollte: Wie trainiert man Zivilcourage? Eventuell schon in der Schule? Ich weiß, dass die Polizei meines Bundeslandes sog. Antigewalttraings anbietet, die man als Klasse besuchen kann. Ich war leider nie selber dort, habe aber viel gutes davon gehört.
    Anstatt jetzt über die Täter zu rätseln und wie man sie zukünftig von so etwas abhalten kann – was ohnehin schwerfallen dürfte – und über die »Gaffer« – die in meinen Augen keine »Gaffer« sind, sondern Leute mit nachvolliehbarer Angst –, sollte man überlegen, wie man Zivilcourage konstruktiv fördern kann. (Und nicht etwa destruktiv durch höhere Strafen bei unterlasseneer Hilfeleistung, wie schon wieder gefordert)

    Meine Meinung dazu.

  4. Arghs, habs mal wieder verpeilt. 😦

    Irgendwann schreib ich dir noch, versprochen… in Berlin bin ich wohl höchstens wieder nächstes Jahr im Januar, da ich stark davon ausgehe, dass mich L. wieder zu ihrem Geburtstag einlädt. 😉

    Da hast du Recht, „Die Welt“ gehört zu Springer, genau wie „Yam!“, „Mädchen“, „Hörzu“, „Metal Hammer“, „Rolling Stone“ und andere. Aber „Die Welt“ ist nicht nur „wie BILD“, sondern teilweise einfach nur „BILD“, da Springer oftmals sämtliche Zeitungen für seine Zwecke einspannt, z.B., um mittels einseitiger Berichtserstattung der CDU/CSU ein paar Stimmen mehr zu bringen.
    Und ja, „Die Welt“ lässt nach eigenem Empfinden neuerdings stärker „ihre“ eigene Meinung in die Artikel mit einfließen als „BILD“, warum auch immer.

    Naja, es wird – besonders zum Wahlkampf – halt gefordert, gefordert und gefordert. Kennt man ja nicht anders. 🙄
    Bin da ebenfalls mit dir einer Meinung: Höhere Strafen für einzelne Altersgruppen bringen rein gar nichts, für mich wäre aber eher eine Senkung der „Grenzen“ zwischen Jugendstrafrecht und Erwachsenenstrafrecht denkbar.

    Ab 14 gilt das Jugendstrafrecht, ab 21 auf jeden Fall das Erwachsenenstrafrecht, dieses jedoch oftmals schon ab 18. Nur warum nicht diese Grenzen um 2 Jahre auf 12 bzw. 16 senken? Die Kinder – und das sind sie – werden immer früher reif, was sich deutlich in Körperbau und Geist widerspiegelt. Eine Anpassung des Alters in diversen Gesetzen ist für mich nur ein Schritt, der sowieso früher oder später gemacht werden muss, allerdings kommt es hier auf das Gesetz an – aber das ist ein anderes Thema.

    @Unterlassene Hilfeleistung: Ja, diese Leute zu beschuldigen, ist verkehrt. Aber die Diskussion in Gang zu bringen, WARUM diese 15 Leute (es waren sicher noch mehr, schließlich war es am Nachmittag und es werden ja wohl mehr als diese 7 Personen in Solln ausgestiegen sein), ist völlig korrekt in meinen Augen. Vielleicht passen beim nächsten Mal zwei oder drei Mitreisende auf, statt nur einem einzigen Superhelden, der nun zum (verdienten) Martyrer wird. Achja: Schweigeminuten sucken.

    Warum solche „Gewalttaten“ allerdings immer in München publik werden – gute Frage. In Berlin/Hamburg/Köln dürfte sowas doch auch regelmäßig passieren, wohl vor allem unter Jugendlichen. Gut, ein Mord aus solchen niedrigen Beweggründen ist scheinbar lange nicht mehr geschehen – aber das war ja auch nur eine Frage der Zeit.

    Post scriptum: Hm, wenn ich dieses Wochenende Lust habe, setz ich mich mal an ’nen Beitrag über den neuesten Axt-Amoklauf hier in Bayern.

    Post post scriptum: Omegle könnte dir eventuell gefallen. Probier’s mal aus.

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