Gläubige, Glaube und der Glaube an den Glauben

Ich bin nicht gläubig.

Dies sollte spätestens nach der Lektüre einiger meiner Artikel und Kommentare jedem klar sein. Nun, warum ist das so? Das will ich jetzt einmal erläutern, ohne auf die – mittlerweile zahlreichen Diskussionen – hier einzusteigen.

Zuallererst ist Religion und der Glaube an Gott, wie ich finde, etwas erbliches. Ich möchte fast so weit gehen, es als „Erbkrankheit“ zu bezeichnen, aber das ist dann wieder politisch inkorrekt allen Menschen mit AIDS, etc. gegenüber.

Was mich zuallererst an Religion stört – und weswegen ich meinen Eltern unglaublich dankbar dafür bin, dass ich mir meine Religion (bzw. „Nicht-Religion“) selbst anschauen und aussuchen durfte – ist die Tatsache, dass, sofern die Eltern aktive Beteiligte an einer Religionsgemeinschaft, Freikirche oder ähnlichem sind, zu 99% da mit hineingeschleppt werden. Und wenn sich dann einmal herausstellt, dass sie lieber wie ihre Klassenkameraden Geburtstag feiern, Alkohol trinken oder sonstwas machen wollen, werden sie von den Eltern in der Gemeinschaft gehalten und in einigen Fällen musste dann sogar das Jugendamt ran. Bei staatlich zu 100% anerkannten Religionen wie dem Judentum, Christentum oder dem Islam ist das natürlich nicht nötig, bei kleineren „Gemeinschaften“ oder gar „Sekten“, wie ich sie nenne – natürlich rein subjektiv [sic!] – in meinen Augen eher.

Jedes Kind, nein, jeder MENSCH sollte frei entscheiden können, an was er/sie/es glaubt. Und wenn dieses Etwas zufällig „Nichts“ ist, sollte und darf dieser Mensch dafür nicht schräg angeschaut werden, sondern er sollte akzeptiert werden als das, was er ist: Ein Ungläubiger, ein Infidel. Was nichts verbotenes ist, denn in Deutschland gibt es neben einer – trotz einiger Zensur (Stichwort BPjM) durchaus noch vorhandenen – Pressefreiheit, wie sie weltweit zu den lockersten gehört, auch eine Freiheit, die meiner Ansicht nach „zivilisierte“ Länder von den „unzivilisierten“ Ländern unterscheidet (Nordkorea, Saudi-Arabien, usw.): die Religionsfreiheit. Die Freiheit, an das zu glauben, was auch immer einem vorschwebt. Und wenn es das Fliegende Spaghettimonster ist. Zu unterscheiden ist hier jedoch, ob sich die Ausübung der Religion im Sinne der Theologie der Religion mit bestehenden Gesetzen kreuzt (->Rastafari). Aber das ist eine andere Sache.

Was mich weiterhin an Religion und Glaube stört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Thesen und Theorien (denn nichts anderes ist Religion) verbreitet und herausgerufen werden, dem widerrum ein riesiger Mangel an Hinterfragen und Nachdenken gegenübersteht. Kein Wunder, kleine Kinder können halt noch nicht so komplex denken. „Lies jetzt den/die Koran/Thora/Bibel oder du gehst hungrig ins Bett“ – welches fünfjährige Kind fängt da noch zu argumentieren an? Aber selbst Erwachsene lassen sich – was offensichtliche Sekten-Unternehmen wie Die Zeugen Jehovas oder Scientology beweisen – stellenweise völlig frei von kritischen Gedanken überzeugen und lenken, natürlich ist das von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wie empfänglich jemand (aka die Bevölkerung) auf bestimmte Thesen und Behauptungen reagiert (->Weltkriege). Und wenn eine Lüge nicht zusagt, wird sie durch Verdrehung der Realität, Auslassung von Fakten und maßloser Kontrolle zur Wahrheit innerhalb einer Partei, innerhalb einer Religionsgemeinschaft. Und dann kommt irgendwann die Erkenntnis, nur ist es dann oftmals viel zu spät (->1984), um noch auszusteigen. Und das betrifft auch die „Weltreligionen“, besonders ziele ich hiermit aber auf die „kleineren“ Religionen(-sgemeinschaften) ab, bei denen 50 Mitglieder mehr einen gewaltigen Schub in Sachen „Club“-Beiträgen, Popularität, Macht und Image ausmachen, also Dinge, von denen im Endeffekt jede Religion lebt.

Zu meinem Leidwesen muss ich leider eingestehen, dass ich selbst evangelisch getauft bin – aber zu meinem 18. Geburtstag aus der Kirche austrat, noch bevor ich nur einen einzigen Cent/Pfennig an die Kirche zahlen MUSSTE (nicht mal in Italien tritt der Staat als „Inkassounternehmen“ für die Kirche auf!), worüber ich sehr stolz bin. Um den Grund zu nennen, warum ich evangelisch war: in der Katholischen Kirche muss man 2 Prozeduren über sich ergehen lassen, außerdem war die Evangelische Kirche damals liberaler bei Mischehen (mein Vater ist Evangelisch, meine Mutter Katholisch). Und warum mich meine Eltern überhaupt haben taufen lassen: sie wollten nicht, dass ich in der Schule in eine fast leere Ethikklasse komme (was ich in der Berufsschule später dann sowieso war, da aber in der Mehrheit), sondern zumindest mit einem größeren Teil der Klasse die Religionsstunden verbringe. Dass ich mich da langweilte und immer neugierig und neidisch auf die paar Ethikschüler linste, die sich die Zeit statt mit trockenem Bibellesen (ja, das musste ich in der Grundschule) mit so schönen Übungen wie Plakate malen, Dinge ausschneiden oder zeichnen vertrieb, hat mich dann nur in dem Gedanken bestärkt, mich von allen religiösen Aktivitäten fernzuhalten noch überhaupt in meiner Freizeit freiwillig eine Kirche – sei sie Katholisch oder Evangelisch – zu betreten.

Dieser Zwang, Ausgrenzung zu verhindern, dem Eltern und damit deren Kinder schon von deren Kleinauf ausgesetzt sind, ist für mich ein weiterer Grund, Religion als schlecht und für die Menschheit schädlich einzustufen.

Themen wie Religionskriege, Konflikte, Verfolgungen aufgrund Religionszugehörigkeit und ähnliches quer über den Erdball verteilt habe ich jetzt mit Absicht ausgelassen, denn das betrifft/betraf mich nicht.

Für mich wäre eine Welt ohne Religion keinesfalls eine unsichere (Wer braucht Gebote? Wir haben Gesetze!), sondern eine schönere. So warte ich sehnsüchtig auf die Regierung, die endlich jedwede Form von politischem und religiösem Fanatismus verbietet.

Kommentare sind wie immer erwünscht.

Post scriptum: Da dieser Text für die Thematik in ein wenig Hast (in nur knapp 2 Stunden) entstanden ist, halte ich mir vor, Textstellen im Nachhinein noch zu verändern oder ganz zu streichen, das vermerke ich dann aber an dieser Stelle.

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~ von NeZ - 7. September 2009.

3 Antworten to “Gläubige, Glaube und der Glaube an den Glauben”

  1. Hey, freut mich zu lesen, dass du tatsächlich wieder hier weiterschreibst.
    Zum Thema: Auch wenn ich keiner Religion angehöre, kann ich Religion als allgemeines nicht schlecht reden. Denn die meisten haben recht logische Grundsätze, von dem etwas märchenhaft-mystischen Drumherum mal abgesehen. Ich denke, wenn man sich nach einem Glauben richtet, weil man selbst erkannt hat, dass es gut so ist, und nicht, weil die Eltern es einem so aufdrücken, ist das nicht so falsch.
    Außerdem finde ich, dass deine Sicht fast als Diskriminierung von gläubigen Menschen gedeutet werden kann. Im Sinne von: Alle die an religiös sind, sind doof, die die es nicht sind, sind viel besser – sehr kurz ausgedrückt.
    Ich bleib jedenfalls bei meiner Meinung, dass eine Religion an sich meistens nichts schlechtes ist, manchmal sogar einen kulturellen Fortschritt bedeuten, wenn man sich mit ihnen auseinander setzt. Nur die Menschen die sie deuten wollen und ihre Art der Interpretation verbreiten wollen, können viel falsch machen.

    P.S.: AIDS ist keine Erbkrankheit, sondern ein Virus. Erbkankheiten sind genetisch übertragene Krankeheiten, wie z.B. ein Herzfehler, den die Mutter hatte und den der Sohn auch hat.

    P.P.S.: Ich hoffe, du weißt (noch), wer ich bin und ich würd mich freuen, wenn du mir mal wieder eine Mail schreibst. 😛

  2. Leider ist mir keine Religion bekannt, die der Menschheit bisher mehr Nutzen gebracht als Schaden zugefügt hat und keinen einzigen Menschen auf dem Gewissen hat. :-\
    Vom seelischen Schaden fang ich erst gar nicht an…

    Diskriminierung? Nein. Höchstens ein Anreiz, die Augen zu öffnen und zu erkennen, dass das eigene Leben viel besser in den eigenen Händen liegt als in Händen irgendeines Gottes oder einer Abstraktheit wie z.B. Schicksal, Bestimmung, usw.

    Post scriptum: Naja, hier widerspreche ich dir mal teilweise. AIDS als solches ist nicht vererbbar, da es sich um keinen genetischen Defekt handelt, soweit sind wir einer Meinung, oder? Aber das Kind kann sich bereits im Mutterleib (sogar schon als Fötus) mit AIDS anstecken, wenn die Mutter HIV-positiv ist.

    Post post scriptum: Ja, und ich hab glaube ich auch noch irgendwo deine letzte Mail… ich antworte Ihnen ja schon baldigst, Sir. 😉

  3. Vererbung bezieht sicher aber immer auf etwas Genetisches. Selbst wenn es sich im Mutterleib infiziert, ist es trotzdem nur eine Infektion. Idiot.

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