Stille Tage im Klischee

Ist es nicht seltsam.

So sehr manche Subkulturen zum Untergrund gehören, wünscht man sich doch manchmal ein wenig mehr Toleranz und Respekt des Mainstreams. Dass es noch 20-Jährige gibt, die schwarze Menschen wie wir als „Gruftis“ bezeichnen, ist ein Teil davon (ja, die gibt’s echt noch).

Hört man jemanden von schwarzer Musik reden, wird meist auf den Zug des Klischees des langhaarigen, dauerpessimistischen, nur-sinnloses-Gegrunze-und-Geschretter-hörendes Metalfans aufgesprungen. Meist heißt es hier nicht „Metal“, „Gothic“, etc. sondern „Heavy Metal“. Wieder ein Fall der fehlenden Toleranz und des fehlenden Interesses. Es gibt am Musikhorizont weit mehr als die 2% aller Songs weltweit, die tatsächlich im Radio laufen. Nur leider vergessen das einige recht schnell. So kennen nur Szenenahe den Unterschied zwischen z.B. Thrash Metal und Doom Metal, wissen, dass Rammstein keine Metal- oder gar Rockband im ursprünglichen Sinne sind und können einen Punk von einem Metaller unterscheiden. Wobei: ist das wirklich fehlendes Interesse?

„Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ ist ein bekanntes Sprichwort in meiner Gegend. Trifft gut zu, leider. Was einem seltsam und ungewohnt vorkommt, versteht man nicht oder es wird gar ins Lächerliche gezogen. Ich habe letztens den Spruch gehört, meine Militärhose habe „keinen Stil“ und wer „keine Chucks trägt“, sowieso nicht. Soll heißen, sie kennen unsere Klischees – d.h., sie meinen, uns zu kennen; hängen aber ihrerseits so sehr in ihrem ganz persönlichen Klischee fest, dass sie nur „ihre heile Welt“ kennen, in der Alternative, Andersdenkende sowie jeder, der nicht in ihre Weltvorstellung passt, darin keinen Platz findet/finden sollte. So wird mit einer unglaublichen Dummheit, die teilweise sogar das Hirn eines Faschisten nicht aushalten würde, auf alles gedrescht, was „anders“ ist.

Kommen dann viele Aspekte (Frisur, Kleidungsstil, Musikgeschmack) zusammen, trifft man auf totales Unverständnis, was sich meistens in Hass aufs Unbekannte umschlägt. Der (für sie nicht offensichtliche) Irrglaube, jeder, der nicht so ist wie der Großteil der Masse/der Gesellschaft, habe einen an der Waffel, ist allgegenwärtig. Und das ist einerseits schade. Andererseits ist ein Teil davon Provokation, allgemeines Auflehnen gegen Gesellschaftsregeln und das Spielen mit Ängsten. Aber das macht uns zu dem, was wir sind.

Ob Punk, Gothic, Hardcore, Wave, Industrial, Metal… wir sind so, weil wir gerne so sind. Wir leben und lieben unser Leben, unsere Kultur, unsere Gesellschaftsform, unseren Umgang, unsere Bräuche, unseren Stil.

Lernt es endlich.

„Ihr wisst es, ich weiß es. Überall, wo sie euch angepasst und gleich haben wollen… eure Schule, eure Arbeit… gibt es nur eine Antwort: Wir sind nicht so wie ihr seid!“ (Alexander Spreng auf einem Konzert von ASP)

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~ von NeZ - 28. Juli 2008.

4 Antworten to “Stille Tage im Klischee”

  1. Das musste mal gesagt werden.

  2. es muss auch einmal gesagt werden, dass die toleranz und das interesse derjenigen die du als die anderen, die alternativen oder die metaller bezeichnest an den sogenannt „normalen“ oft genauso klein ist und jemand der chucks trägt unter den schwarzen verdammt schnell in die kategorie „skater“ o. Ä gesteckt wird und somit auch innert sekunden einen stempel aufgedrückt kriegt. Ich bin auch für toleranz und finde hübsch was du schreibst, nur sollte man selbst mindestens so tolerant und interessiert sein wie man es von den andern erwartet. Versteh mich nicht falsch, ich möchte nicht dich persönlich angreifen oder als intolerant bezeichnen, ich denke bloss, dass du hier ein wenig einseitig anprangerst 🙂

    mit lieben grüssen, die unbekannte

  3. Natürlich, ich behaupte auch nichts anderes. Man ist halt in gewissem Sinne stolz darauf, „anders“ zu sein. Das ist einer der Hauptgründe einer Subkultur. Nur, dass die Subkultur „Schwarze Szene“, wie sie in den Medien öfter heißt, weit über den Status einer Jugendkultur hinausgeht und ihr auch Menschen weit jenseits der 30, gar 40 Sommer noch angehören.

    Ein Chuck bedeutet für mich nicht „Skater“, sondern „Mainstream“. Chucks waren mal Skaterschuhe, und in der Szene werden die immer noch getragen, aber wenn ich Proletenpack mit Chucks herumlaufen sehe, kriege ich das Kotzen. Der Chuck ist vom billigen Sportschuh (10€) zum Modeschuh (60€) degradiert worden. Bäh. Aber ich hänge mich grad an deinem Beispiel auf… Aber was deinen Vorwurf angeht: Natürlich ist das stark einseitig und deutlich von meiner Meinung geprägt.

    Ein Ereignis gestern Nacht hat mich wieder in meiner Meinung und meiner Zugehörigkeit zu dieser Kultur bestätigt: Ich war mit Kumpels bowlen. Leider hatte ich die letzte S-Bahn verpasst und habe dann entnervt die letzte U-Bahn genommen. Dort hab ich dann festgestellt, dass ich den letzten Bus ebenfalls verpasst hab. Zum Glück hab ich nen knapp 30-jährigen Mann mit einem „Endstille“-Pulli getroffen – hab ihn einfach angesprochen, wir kamen ins Gespräch. Er meinte, er wüsste auch nicht, wie er nach Hause kommt… er könnte seine Frau anrufen, aber sein Handyakku war leer. Hab ich ihm halt mein Handy geliehen. Seine Frau (ebenfalls um die 30, ebenso schwarz) hat ihn und mich dann abgeholt und mich sogar praktisch vor die Haustür gefahren. Soll heißen, keine 30 Minuten später war ich zuhause. Zu Fuß wär das mehr als ne Stunde Marsch gewesen.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass die Zusammengehörigkeit, die durch ähnliche Lebenseinstellung und Musikgeschmack entsteht, bei Hiphop oder anderem Mainstream bei weitem nicht so groß ist. Ich kannte den Typen nicht, und er mich nicht. Geschweige denn seine Frau. 😉

    Aber ich schreib schon wieder zuviel. Egal. 😛

  4. Mein lieber, du schweifst ein wenig ab^^ dein Beispiel ist hübsch und ich denke du hast auch recht wenn du sagst, dass gemeinsam ertragene Verachtung oder Intoleranz (extrem formuliert, ist mir klar) zusammenschweisst und gemeinsam anders sein ebenfalls. Ich denke der Gesellschaft ist generell die Hilfsbereitschaft abhanden gekommen, ersetzt durch generelles Misstrauen und das ist einer der Gründe warum die Menschen weniger aufeinander zugehen und Hilfe anbieten. Schön, dass du es anders erlebt hast. Oft braucht es ganz wenig um das Eis zu brechen und wenn ich jemanden anlache, erlebe ich oft, das die verbitterte Oma oder der misstrauische alte Mann, der schon lange die Hoffnung in die Jugend verloren hat, zurück lächelt und mit mir zu plaudern anfängt.

    Übrigens…Ich trage Chucks^^ seit vielen Jahren. Nicht ausschliesslich, aber immer wieder gerne und ich trage sie mit Stolz, wenn ich daran denke wie viele Freidenker, Sportler und kreative Menschen diese Schuhe zu dem gemacht haben was sie sind und mir ist völlig egal wie viele 15-jährige, pubertierende Banausen nichts ahnend, dass sie Geschichte an den Füssen tragen, mit denselben Schuhen rumspazieren.

    Ich trage sie mit Stolz….und Scheisse……meine grünen Chucks sind geil^^

    Amen 😀

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