Daywalker, Mainstreamer

Wie man mir wahrscheinlich ansieht und man es sich hoffentlich auch denken kann, zähle ich mich zu einem Anhänger der, im Oberbegriff „Schwarze Szene“ genannten Kultur; genauer gesagt irgendwo im Bereich des Metal – einem, wie ich finde, ziemlich unterbewerteten Musikgenre. Aber das tut hier im Moment nichts zur Sache.

Denn wie heißt es so schön? „Pest, Cholera, Mainstream“ – doch was ist Mainstream überhaupt? Manch einer mag behaupten, Mainstream wäre das, was ein Großteil der Bevölkerung akzeptabel findet und – im Bereich der Musik – als „hörbar“ einstuft.

Schaut man sich Musiksender wie MTV oder Viva an, kommt man schnellgläubig zu dem Schluss, R’n’B und/oder HipHop seien Mainstream – läuft hier doch praktisch nichts anderes. Die Kundschaft, bzw. die Zuschauer, sind jedoch zum Großteil Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren, was den „Mainstream“ nun nicht wirklich korrekt widerspiegelt.

Der Blick auf Radiosender lässt jedoch auf etwas anderes schließen: ’80er, ’90er, ein wenig Softrock, ein wenig R’n’B – allgemein „leichte“ Kost, die schnell ins Ohr geht und zumeist simple Gesangs- und Instrumentalstrukturen besitzen. Das schließt den Metal von vornherein schon einmal aus, auch HipHop erhält hier nur selten Airplay. Die meisten Songs auf Heavy Rotation sind Evergreens oder aktuelle Hits aus den Charts.

Aber auch hier werden alternative Songs und Alben schlichtweg ignoriert. So landet zwar das letzte Album von In Flames, „Come Clarity“, das sie 2006 herausbrachten, auf Platz 6 der deutschen Albumcharts, auf Musiksendern und Radiosendern wartet man damals jedoch auf ein Ausstrahlung vergebens. Im „In Flames“-Profil [ich wundere mich, dass diese dort überhaupt verzeichnet sind, Anm.] auf mtv.de findet man nur eine lieblos zusammengeklatschte Biografie, wie man sie genausogut auf Wikipedia.org, Laut.de oder ähnlichem sieht, und einen Link zu einem einzigen Musikvideo. Ein Versuch, dieses zu starten, wird passenderweise mit dem Hinweis „Sorry we’re unable to retrieve this video.“ kommentiert.

Ein Kritikpunkt an Musiksendern ist ja, dass sie nicht nur berühmte Interpreten zeigen, sondern auch Interpreten durch eine erhöhte Rotation und „Überbeschallung“ der Zuschauer berühmt werden lassen. Ihnen kommt es nur auf die Charts an und darum, Künstler bekannt zu machen. Nur von „Randgruppen“ gemochte Genres wie Reggae, Punk, Trance, Industrial, Metal, Klassik, Oldies/Evergreens, NDW, Gothic, etc. werden praktisch nie oder nur in bestimmten Sondersendungen gezeigt, die dann allerdings nachts oder zumindest spätabends laufen. Lässt sich wahrscheinlich damit erklären, dass dann 90% der Jugendlichen im Bett liegen und schlafen – es erfolgt also eine Ausstrahlung um der Ausstrahlung willen; man möchte ja bloß nicht dem Vorwurf entgegenargumentieren müssen, man habe einen einseitigen Blickwinkel. Damit wird der Begriff „Musikfernsehsender“ allerdings zur Farce und proletenhaften Kopie eines Radiosenders mit Blick fürs Wesentliche: Einschaltquoten. Und als Zielgruppe bleiben dann nur jedem Trend nachlaufende Jugendliche, die den Nachmittag nach der Schule vor dem TV verbringen; unfähig, selbstreflexiv und kritisch zu hinterfragen, was die Medienlandschaft, die sie so vergöttern (MTV, Glamour, inTouch, Vanity Fair, etc.) eigentlich aus ihnen macht und zu was sie sich hinreissen ließen und lassen.

Es wird Picaldi getragen, aktuelles über Stars & Boulevard gelesen, Kool Savas gehört – schön alles wie tausend Mal von Promi-„Vorbildern“ vorgelebt, vorgezeigt und nun nachgeahmt. „Cool“ ist damit nicht mehr, individuell zu sein, sondern, (B-)Promis zu imitieren und sich für individuell und cool zu halten.

Nein, danke.

P.S.: Es sind nicht alles Klischees, die ich hier anspreche. Das ist das traurige daran. Und leider bin ich mir ebenso sicher, dass einige der angesprochenen Gattung Mensch nicht kapieren werden, was ich eigentlich meine. In einem Begriff genannt: bodenlose Ignoranz.

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~ von NeZ - 2. April 2008.

2 Antworten to “Daywalker, Mainstreamer”

  1. […] paar monaten habe ich mal einen beitrag über die videoüberwachung geschrieben und gefordert, dass videoüberwachte plätze gefälligst als solche zu kennzeichnen sind. weil nur dann ist die […]

  2. @Trackback: Was auch immer dein (selbst mir etwas zu hetzerischer) Artikel mit meinem zu tun hat.

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