Bist mein großer Bruder, du bist immer da

Big Schäuble Wenn es nach Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble gehen würde, müsste man wohl jedes wichtige Dokument mit seinem Fingerabdruck unterzeichnen müssen. Bei der Ausstellung eines neuen Reisepasses sind zwar seit 1. November 2007 zwar bereits 2 Abdrücke nötig, zum Glück werden diese aber nicht, wie ursprünglich von Schäuble vorgeschlagen, dauerhaft gespeichert. Nun hat der CCC allerdings zurückgeschlagen – und in seiner aktuellen Ausgabe der „Datenschleuder“, der Clubzeitschrift für CCC-Mitglieder, den ersten Fingerabdruck eines „biometrischen Sammelalbums“. Neben dem Fingerabdruck von Schäuble befinden sich hier zudem noch leere Felder für die Abdrücke von Angela Merkel, Otto Schily, Günther Beckstein und Jörg Zierke, seines Zeichens Präsident des Bundeskriminalamts. Der CCC hat außerdem noch eine Anleitung beigeliefert, wie dieser Fingerabdruck verwendet werden kann. CCC-Sprecher Frank Rosengart äußerte sich SPIEGEL ONLINE wie folgt: „Man legt die Plastikfolie auf den Tisch, streicht etwas Holzleim darüber und wartet, bis der Leim antrocknet. Die entstehende gummiartige Schicht ist dann die Attrappe, die man mit einem hautfreundlichen Spezialkleber auf den eigenen Finger klebt.“ Schäuble gibt sich bisher gelassen: „Mein Fingerabdruck ist kein Geheimnis, den kann jeder haben. Ich habe nichts zu befürchten.“ Mal sehen, wie lange noch und die erste kriminelle Tat mit seinem Abdruck unterschrieben wird. Wünschen würde ich es ihm, würde es die Diskussion um die Datenspeicherung des Staates in die richtige Richtung lenken. Irgendwie traurig.
(Quellen: SPIEGEL ONLINE, CCC)

Big Britain Laut einer Untersuchung von PricewaterhouseCoopers International Limited, einem Verbund von Prüfungs- und Beratungsgesellschaften, überwachen ca. 85% aller britischen Unternehmen die Online-Aktivitäten regelmäßig. 81% aller Unternehmen sollen Programme einsetzen, die den Zugriff auf bestimmte Websites verbieten. Als Grund wird angegeben, dass Mitarbeiter ihre Firmen besonders auf Community-Seiten wie MySpace, Mebo oder Facebook in keinem guten Licht darstellen würden. Warum arbeiten diese Leute dann dort überhaupt noch? Und gibt es wirklich jemanden, der mit seiner Firma zu 100% zufrieden ist? Demnach wäre das (Arbeits-)Leben perfekt. Völliger Humbug. Ein Verbot bestimmter Seiten finde ich zwar okay, eine Mitprotokollierung/Überwachung grenzt aber an Stasimethoden. Leider sind beide Praktiken (Blockade und Protokoll) in Deutschland „gesetzlich legitim“, wie Verena Eckert, Rechtsexpertin der Münchner IT-Recht-Kanzlei im Gespräch mit der Nachrichtenagentur pte trocken erklärt. „Sei diese [eine private Nutzung des Internets, Anm.] aber erst einmal erlaubt, habe der Arbeitgeber auch das Recht, die Onlineaktivitäten seiner Angestellten zu kontrollieren.“ Was aber auch heißt, dass der Arbeitgeber dadurch erfahren könnte, dass sich seine Arbeitnehmer z.B. nach einem Anwalt für Scheidungen, sich über bestimmte Krankheiten, bzw. Medikamente und Ärzte zur Heilung derer, usw. kundig machen und daraus dann evtl. korrekte Schlüsse über das Privatleben des AN ziehen könnten. Irgendwie traurig.
(Quelle: pressetext (pte))

Big Schlecker Schlecker ist leider dafür bekannt, Mitarbeiter systematisch auszuspionieren. Kameras und Detektive kümmern sich um eine Kontrolle ordnungsgemäßer Arbeit (z.B. durch Testkäufe) und führen sogar Hausbesuche bei längeren Krankheiten durch. Dadurch, dass pro Schlecker-Filiale meistens nur eine Vollzeitkraft und zwei Halbtagskräfte (nach Bedarf eingesetzt), kommt es hier zu mehr Diebstählen und Überfällen wie bei Konkurrenten. Dafür sorgen auch unzureichende Sicherheitsvorkehrungen. Bei 10.800 Filialen deutschlandweit gibt es laut Zahlen von Ver.di nur ca. 100 Betriebsräte, dad Schlecker seine Angestellten am gesetzlich verbrieften Recht hindern will, einen solchen zu wählen. Achim Neumann, der Handelssekretär des Ver.di-Bezirks Berlin-Brandenburg soll in einem „Bild am Sonntag“-Interview gesagt haben, dass bei Schlecker „Detektive und Sicherheitskräfte durch Lochwände teils stundenlang in die Verkaufsräume spähen“. Wenn man das glaubt. [Ich hege Zweifel an der Echtheit, habe ich auf der BB-Ver.di-Website nämlich keinen Artikel dazu gefunden. Aber sollte das Zitat nicht stimmen, wird das wohl zu 95%iger Wahrscheinlichkeit auf bildblog.de auftauchen und ich werde diesen Artikel hier korrigieren, Anm.] Nebenbei hat die deutsche Discount-Kette Lidl deutschlandweit keinen einzigen (!) Betriebsrat bei 2.700 Filialen und muss sich derzeit ja ebenso dem Vorwurf aussetzen, seine Arbeitnehmer auszuspähen und systematisch menschenunwürdig zu behandeln. Irgendwie traurig.
(Quelle: SPIEGEL ONLINE)

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~ von NeZ - 30. März 2008.

Eine Antwort to “Bist mein großer Bruder, du bist immer da”

  1. Je einfacher und kostengünstiger Überwachung in diesem Staat wird/ist, desto interessanter für den Arbeitgeber. Bzw. für die Menschen, die ein großes Interesse am Ausspäher privater Daten haben.

    Meiner Meinung nach sollte man den Politikern (z.B Schäuble), den Konzernen (z.B Lidl) mal gehörig auf die Finger klopfen und den einen oder anderen Scherz spielen … Denn es geht mittlerweile einfach zu weit.

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