Medien schlimmer als Kirche?!

Sobald ein großes Medium eine Nachricht weiter verbreitet, kann man sicher sein, dass viele kleinere auf den Zug aufspringen; ob diese Nachricht dann überhaupt korrekt ist, wird sich schon zeigen. „BILD“ ist immer noch die meistzitierte Zeitung Deutschlands. Was aber nicht heißt, dass „BILD“ keine Fehler macht.

Ein Fall von letzter Woche belegt dies ganz deutlich. Der Bischof der „Apostolischen Pönitentiarie“, Gianfranco Girotti, führte letztens ein Interview über Sünden im Wandel der Zeit Er definierte Genmanipulation, Umweltverschmutzung, soziale Ungerechtigkeit, die exzessive Anhäufung von Reichtum und Drogengebrauch als „Sünden“.

Sünden. Mehr nicht. Trotzdem verbreiten diverse Medien darauf die Nachricht, der Vatikan diskutiere über eine Änderung der „7 Todsünden“ oder habe die alten Sünden bereits durch die Neuen ersetzt:

„Bischof Gianfranco Girotti (70), Spezialist für die Beichte, präsentierte bei einer Vatikankonferenz eine neue Liste der Todsünden.“ (Quelle: BILD)

„Drogen, Umweltverschmutzung, Genmanipulation sowie soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit werden vom Vatikan als neue Sünden betrachtet.“ (Quelle: Die Welt)

„Die bekannten sieben Laster – Wollust, Stolz, Neid, Geiz, Zorn, Völlerei und Faulheit – seien nicht mehr zeitgemäß, heißt es aus dem Vatikan. Sie seien zu individualistisch. Daher schlägt der Vatikan neue Laster vor.“ (Quelle: Heise)

Soweit, so gut. Da gibt es nur ein Problem: Der Bischof (und schon gar nicht der Vatikan) hat nie davon gesprochen, die alten Sünden zu ersetzen. Dies erkannte zuallererst die Badische Zeitung, deren Artikel daraufhin von Die Welt in einem zweiten Artikel, den ersten korrigierend, schamlos kopiert wurde. Man braucht sich nur einmal den ersten Absatz durchlesen. Während bei der Badische Zeitung die Quelle mit „Martin Zöller“ korrekt genannt wurde, fehlt eine Quellenangabe bei Die Welt komplett. Aber was kann man auch von einem Springer-Blatt erwarten.

Radio Vatikan hat die Nachricht jedenfalls einen Tag nach dem Artikel in der Badischen Zeitung endgültig klargestellt. Der Redaktionsleiter Pater Eberhard von Gemmingen meint dazu:

„Die Medien treiben mal wieder Unfug. Damit verdienen sie Geld. Der Vatikan hat nur auf moderne Verstöße gegen Gott und den Menschen hingewiesen z.B. im Bereich der Bioethik, der Drogen, der sozialen Gerechtigkeit, der Ökologie. Moderne Menschen könnten jubeln, dass die Kirche sich mit heutigen Fragen befasst. Doch die Medien verdrehen die Sache total und sprechen von Todsünden. Todsünden sind etwas ganz Anderes: z.B. Mord und Ehebruch. Zudem werden Sünden nicht von der Kirche definiert, sondern die Kirche weist nur darauf hin, was Sünden sind. Manche verwechseln auch die Hauptsünden (Unmäßigkeit, Geiz, Neid, Stolz, Unkeuschheit, Zorn, Faulheit) mit den Todsünden. Ich warne davor, alles zu glauben, was in Sachen Kirche in Zeitungen steht. Höchste Vorsicht ist geboten!“

Ich persönlich warne ja eher davor, das zu glauben, was in Sachen „Wahrheit“ in Glaubenstexten steht, aber in diesem Fall hat er sogar Recht. Nur sieht das außer N-TV wohl kaum einer ein.

Eine Frage ist jedoch noch offen: Was kann man von einem Springer-Blatt erwarten?
Ich finde, zumindest eine Korrektur. Die Welt hat zwar abgeschrieben, aber ihr Voreiligtum letztendlich eingesehen.

BILD nicht.

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~ von NeZ - 20. März 2008.

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