Flachgelegte Ameisen

Auch, wenn man davor warnt, wie sehr das eigene Auto tiefergelegt ist, ist man nicht vor Strafen sicher.

Ein 22-Jähriger Tuner aus Heinsberg hatte seinen Opel Corsa einer Runderneuerung ausgesetzt: Umlackiert, ausgebaute Rücksitze und diese durch Lautsprecher ersetzt, tiefergelegt. Leider zu tief, wie 2 Polizeibeamte aus Mönchengladbach fanden.

Darauf gestoßen waren sie aufgrund des Spruches „Ameisen duckt euch“ auf dem Spoiler des Autos. Per Zollstab flugs nachgemessen, befindet sich zwischen Auto und Boden nur ein Freiraum von 6,5 Zentimetern, was laut einem Polizeisprecher „heftig unter dem Zulässigen“ liegt. Ferner war „der Unterboden war ganz schön mitgenommen“.

Was mir daran ein wenig sauer aufstößt: In Deutschland gibt es keine festgeschriebene Mindestbodenfreiheit in Zentimetern. Zulässig sind allerdings nur Fahrzeuge, deren „verkehrsüblicher Betrieb niemanden schädigt oder mehr als unvermeidbar gefährdet, behindert oder belästigt“, wobei auch diese in „straßenschonender Bauweise“ hergestellt und erhalten werden sollen. Es existiert dazu zwar eine TÜV-Richtlinie (VdTÜV Merkblatt 751, Anhang II, Absatz 5.1.9), in der es heißt, dass „tiefer gelegte Fahrzeuge, besetzt mit einem Fahrer, vollen Kraftstofftanks, ein Hindernis von 80 cm Breite und einer Höhe von 11 cm mittig berührungslos überfahren können müssen“, welche rechtlich nicht verbindlich ist. Trotzdem, bzw. aufgrund einer mangelnden Gesetzesgrundlage hat sich diese Empfehlung des TÜVs bei Prüfungen durchgesetzt.

Der PKW wurde jedenfalls stillgelegt und der Tuner mit 150 Euro und 3 Punkten in Flensburg bestraft, was ich für eine viel zu hohe Strafe halte. Drängeln auf der linken Autobahnspur unter Zuhilfenahme von Lichthupe u.ä. (bis zu 250 Euro Strafe, 3 Monate Fahrverbot und 4 Punkte in Flensburg) ist in meinen Augen viel schlimmer als das bisschen Aufdotzen auf schier unbezahbarem Beton und grazil-luxuriösen Pflastersteinen und wird trotzdem ähnlich hart bestraft. Beim Unterschreiten der Mindestbodenfreiheit können zwar Kratzer am Fahrzeugboden entstehen, welche aber kein Vergleich zu Kratzern an Menschen sind, die bei Unfällen auf der Autobahn entstehen können.

Aber mit Bußgeldirrsinn auf deutschen Autobahnen kennt sich die Polizei ja schließlich bestens aus.

(Quellen: DER SPIEGEL, Bundesministerium der Justiz, A3Freunde, Wikipedia)

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~ von NeZ - 12. Februar 2008.

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