Von Pontius zu Pilatus

Heute hatte ich meine Musterung. Und es wurde genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Satte 2 Stunden hat mein Besuch dort gedauert – den Großteil davon verbrachte ich mit Warten und kreuz und quer durch das Haus laufen.

Ich erzähle einfach mal alles der Reihe nach – so interessant und trocken geschrieben, wie das Ganze letztendlich auch war:

1. Ich fahre zum Hauptbahnhof per S-Bahn, steige in die Tram 20 Richtung Pelkovenstraße ein und steige am Goethe-Institut aus.
2. Ich gehe zu Fuß quer durch die dortige Wiese zum Kreiswehrersatzamt.
3. Ich melde mich beim Pförtner an, dieser gibt mir eine Wegbeschreibung zur Musterungs-Anmeldung, der ich folge.
4. Ich melde mich zur Musterung an, gebe einige Daten an und erhalte eine Wegbeschreibung in den ersten Stock, der ich folge.
5. Ich muss dort 10 Minuten im Gang warten, bis ich aufgerufen werde.
6. Ich rede mit einem Betreuer, der mich genaueres über meine Person frägt.
7. Ich werde von diesem ins Wartezimmer ins Erdgeschossen geführt.
8. Ich muss dort 20 Minuten warten.
9. Ich kriege mehr oder weniger wortlos einen Plastikbecher mit meinem Nachnamen darauf ausgehändigt, den ich fast voll pinkle und dann abgebe.
10. Ich höre im Nachbarraum meinen Nachnamen. Scheinbar war es ihnen zuviel Urin.
11. Ich muss 5 Minuten im Gang warten, bis ich aufgerufen werde. Mein (deutscher und sehr einfacher) Name wird dabei falsch ausgesprochen.
12. Ich werde in einen Raum geleitet, in dem ich mich bis auf T-Shirt, Socken und Boxershorts ausziehe und gewogen sowie gemessen werde.
13. Ich werde ernsthaft gefragt, ob ich eine Brille trage. Ich antworte, dass sehe man doch.
14. Ich muss 5 Minuten im Gang warten, bis ich aufgerufen werde.
15. Ich werde zwei Gänge weiter geführt.
16. Ich muss dort 3 Minuten im Gang warten, bis ich aufgerufen werde. Der Doktor müsse noch alles vorbereiten.
17. Ich muss mich im Zimmer bis auf die Boxershort ausziehen und werde von Kopf bis Fuß durchgecheckt.
18. Ich werde im Nachbarraum vom Doktor an meinen Eiern befummelt. Immerhin darf die Krankenschwester nicht zusehen. Und nein, ich wurde nicht aufgefordert, dabei zu husten.
19. Ich werde zur Anmeldung zurückgeschickt.
20. Ich muss dort 3 Minuten im Gang warten, bis ich aufgerufen werde.
21. Ich erhalte eine Wegbeschreibung in den ersten Stock, der ich folge.
22. Ich muss dort 10 Minuten im Gang warten, bis ich aufgerufen werde.
23. Ich rede mit einem anderen Betreuer, der mir das Ergebnis präsentiert: Ich bin wehrdienstfähig mit Einschränkungen aufgrund meiner Platt- und Spreizfüße, meines zwar breiten, jedoch nicht muskulösen Rückens und meiner krummen Wirbelsäule.
24. Ich unterzeichne das Ergebnis und frage ihn, warum ich Badeschlappen und eine Turnhose mitnehmen musste, ohne sie benötigt zu haben.
25. Ich erhalte die Antwort, dass der Staat die Einladung zur Musterung vorschreibt, obwohl nur bei der Musterung williger Zeitsoldaten diese Dinge benötigt werden.
26. Ich erkläre, dass mir dieses Amt reichlich seltsam vorkommt und meine, ich wäre schon gefragt worden, ob ich eine Brille trage.
27. Ich werde ironisch gefragt, ob ich wirklich eine Brille trage. Immerhin hat er bei der Arbeit dort seinen Humor nicht verloren.
28. Ich werde zur Anmeldung ins Erdgeschoss zurückgeschickt.
29. Ich erhalte ein Bestätigungsschreiben mit einer peniblen Angabe der Uhrzeit, wann ich mich angemeldet hatte und wann ich mit allem fertig gewesen bin.
30. Ich gehe zur Trambahn, rufe meinen Chef an, erzähle ihm alles und darf (mit Trambahn und S-Bahn) nach Hause fahren, was ich auch tue.

Ich habe nichts hinzugefügt und nichts weggelassen. Das Ganze spannender zu beschreiben ist nur schwer möglich. Denn nicht nur, dass ich wie ein Blöder von Zimmer zu Zimmer geschickt werde und bei den Untersuchungen gedemütigt werde, kostete mich das Ganze 2 Stunden meines kostbaren Lebens. 🙄

Einen Eignungstest habe ich übrigens nicht gemacht. Mir wurde gesagt, wer T1 wäre, müsste diesen danach machen, außer er schätzt sich selbst als T1 ein, dann könne er ihn auch vor der ärztlichen Untersuchung machen. Dieser Test solle weitere 3 Stunden dauern. Ein Glück, dass ich T2 bin.

Aber immerhin weiß ich nun, dass ich zwar als Taucher beim Bund arbeiten könnte, jedoch nicht als Fernspäher. Wohoo…

Advertisements

~ von NeZ - 6. Februar 2008.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: