PBC

Sehr geehrte Damen und Herren von der Partei Bibeltreuer Christen (PBC),

ich habe mir Ihr Parteiprogramm durchgelesen und habe mir einige Gedanken dazu gemacht. Vielleicht stoßen Sie ja früher oder später auf diesen Eintrag und kommentieren Ihn. Oder sie schreiben mir eine E-Mail. Die Adresse gebe ich auf Anfrage gerne heraus.

Ich schätze Ihr Einsetzen für Frieden in der Welt, besonders für Frieden in und rund um Israel und damit im Nahen Osten. Auch ihr Anliegen, den gelegentlich auftauchenden Judenhass/Antisemitismus einzudämmen, sorgt bei mir für frohen Mut. Dass Sie offene Grenzen in Deutschland für alle Juden scheinbar nur für den Zweck haben wollen, dass die Juden so schnell wie möglich nach Israel zurückkehren sollen können, halte ich trotz ihrer Angabe, dies nur unterstützend zu tun, gelinde gesagt für Heuchlerei.

Eine Ehe hält kein Leben lang. Dafür sind sich Mann und Frau zu unterschiedlich, dafür gehen die Meinungen, was ein „gutes“ Familienleben angeht, zu weit auseinander. Das fängt damit an, dass Sie gleichgeschlechtliche Ehen nicht der „normalen“ Ehe gleichgestellt sehen, und hört damit auf, dass Sie einige, meist endgültige Entscheidungen wie Scheidung, Abtreibung, etc., die auch im gesitteten Familienleben so auftreten können, für bedenklich erklären oder gar verteufeln. Wenn sich eine glückliche Mutter scheiden lassen will, warum nicht? Scheidungen sind nicht kinderfeindlich; Scheidungen zu verbieten, ist kinder- und sogar mutterfeindlich. Ein Kind kann auch nur mit einer Mutter oder gar 2 Müttern glücklich aufwachsen – und ist damit vielleicht sogar früher reif als andere Kinder im selben Alter. Es gibt Dinge, die Familien selbst entscheiden sollten – Scheidung und Abtreibung sind solche.

Genauso, mit welchem Glaube die Kinder erzogen werden. Wenn ein junges Paar dem Kind erlauben will, sich später eine Religion frei von Vorurteilen und Prägungen in seiner Kindheit auszusuchen, was spricht dagegen? Taufe im Kindesalter ist ein Einnageln eines von anderen Personen gewollten Glaubens, bei dem der Getaufte keine Chance zum Widerspruch hat. Regelmäßige Bibelunterweisung, das Praktizieren des Schulgebetes und die Person Jesu als Vorbildsfunktion halte ich für falsch. Genauso, wie die Schöpfungslehre der Bibel mit Wissensvermittlung in einem Atemzug zu nennen. Aber das ist Glaube.

Ein weiterer Aspekt, der mich an ihrem Parteiprogramm stört, ist der Ansatz, Astrologie, Wahrsagerei, Horoskope u.ä. als „antigöttlich“ zu bezeichnen. Das finde ich lachhaft. Wie oben bereits angedeutet; dem Menschen steht es frei, zu glauben, was er glauben will. Satanskulturen verurteilen Sie ebenfalls, könnten Sie diese bitte genauer definieren? Schwarz tragende Menschen sind meistens einfach einer Subkultur angehörig, nur selten einer Religion.

In einem sind wir uns nun jedoch wieder einig: Rauschgifte, Pornographie und Gewalt haben bei Jugendlichen nichts verloren. Leider zielen Sie hier zu allgemein; als 20-Jähriger, der mitten im Leben steht, will ich sehen, lesen und hören, was ich will. Ich denke, ich bin alt und reif genug, zu beurteilen, was schlecht für mich ist.

Einige kurze Punkte noch:

● Härtere Strafen bei Pädophilie finde ich großartig. Die Wiedereinführung eines Verbotes für „Kuppelei“, „Vielweiberei“, Prostitution und homosexuellen Beziehungen ist für mich nicht akzeptabel.

● Ein Aufruf zu mehr Gebeten und Gesundheitspolitik haben nicht wirklich etwas miteinander zu tun. Placeboeffekte sind keine echte Heilung.

● Eine Darstellung von Gewalttaten in den Medien ist selten eine Verherrlichung, eher eine Demonstration zur Abschreckung. Oder ruft die Bibel zu Amokläufen auf? Falls Gewalt in Film, Musik und Literatur verboten werden soll, dann sollte die Bibel meiner Meinung nach als erstes auf dem Index landen.

● Ihr Paragraph im Bezug auf Menschenrechte, Datenspeicherungen und Markierungen zur Kontrolle des Individuums stößt bei mir auf volle Zustimmung.

● Sie sind bekennend pro-Minderheiten und sozial gegenüber Rentnern. Soweit, so fabelhaft. Was mir sauer aufstößt, ist ein Verbot aktiver Sterbehilfe. „Wer sterben will, soll geholfen werden.“ (Lars, 5, 66-69)

● Eine Verbreitung der Bibel ist in meinen Augen keine Verbreitung von Moral, sondern Verbreitung von Lügen und Verdrängung eigener Kultur. Missionierung ist keine Mission sondern Ignoranz.

Und um einiges zu meiner Person zu sagen, und meine Einstellung offen darzulegen:

Ich bin strenger Atheist, verabscheue alles, was mit Glaube, Religion und Wunschdenken zu tun hat (ja, auch Horoskope), weil ich nicht glauben kann und glauben will, dass mein nahezu sinnloses Leben und Sterben von etwas abhängt, das ich nicht sehen und nur in meinem Verstand existieren kann.
Ich höre gerne gewaltdarstellende, ethnischen Themen bezüglich „grenzwertige“ Musik (Tod, Melancholie des Daseins, Kannibalismus, Nekrophilie) weil ich weiß, was Fiktion, bzw. Kunst ist, und was real. In diesen Themen angesiedelte Geschichten, die musikalisch dargeboten werden, sind stets rein fiktiv.
Pornofilme und Horrorfilme gehören für mich zu Erwachsenenunterhaltung, die Jugendliche nicht unbedingt zu Gesicht kriegen sollten, besonders härtere Szenen. Jugendliche sollten nicht alles sehen, was im Internet und in unserer Gesellschaft herumspukt, da bin ich mit Ihnen einer Meinung. Aber halt nur selten.

Aber kurz gesagt: Jeder sollte das Recht haben, das zu glauben, zu denken, zu tun, zu hören und zu sehen, was er will, solange er kritisch, intelligent und rational damit umgehen kann, weiß, was real und was fiktiv ist und sich seine eigene Meinung bilden kann und wird, frei von Prägungen, Vorurteilen und Vorbildern. Alles andere ist Egoismus, Intoleranz, Ignoranz.

Mit freundlichen Grüßen,

Lars Krachen

P.S.: Ja, die angesprochenen Passagen spiegeln rein meine Meinung wieder und meine Gedanken sind nicht immer objektiv gehalten und mit Argumenten begründet. Trotzdem oder gerade deswegen: Bitte beten Sie nicht für mich verlorene Seele, ich will das nicht.

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~ von NeZ - 29. Januar 2008.

Eine Antwort to “PBC”

  1. Vielleicht sollte ich diesen Brief per E-Mail an die Parteizentrale richten. Aber ich denke, solche Briefe erhält die Partei zuhauf.

    Wahrscheinlich mache ich mich damit nur lächerlich, weil ich das Parteiprogramm dieser Spaßpartei ernst genommen habe.

    Offensichtlich steht die PBC ja auf einer Linie mit Parteien wie:

    ● PARTEI (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative)
    ● APPD (Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands)
    ● FDÄ (Front Deutscher Äpfel)
    ● NKPDWUDODMSIB (Neue Kommunistische Partei Des Westens Und Des Ostens Deutschlands Mit Sitz In Bayern)

    … und ähnlichen.

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