Der Schbezialist

Fehler sind menschlich.

Und passieren demzufolge auch juristischen Personen – so können auch professionelle Firmen im Licht der Öffentlichkeit teilweise kein korrektes Deutsch. Manches lässt sich zwar mit „Fachsprache“ oder „Umgangssprache“ erklären, aber diese Satzkonstruktionen sind trotzdem kein ordentliches Deutsch. Punkt.

Und weil mir gerade langweilig ist, stöber ich mal in meinem Gedächtnis und schreibe hier eine kleine Liste, was mir so allerhand auf den Sack geht.

1. „Dieser Zug endet hier, bitte alle aussteigen“ – wohl bekannt aus fast allen Zügen der Deutschen Bahn. Egal ob ICE oder S-Bahn, man hört ihn immer wieder. Leider meinen sie wohl die Zugfahrt, und nicht den Zug. Den der endet nie; er fährt schließlich nach seinem Aufenthalt wieder zurück.

2. „Bitte in Fahrtrichtung rechts/links aussteigen“ – siehe oben. Das Problem ist hier, dass das „bitte“ eine Aufforderung darstellt, eine „Bitte“, der, da man als Passagier ja auf den Beförderer angewiesen ist, Folge zu leisten sein sollte. Wer also sitzenbleibt, weil er erst eine Haltestelle danach aussteigen muss, macht sich theoretisch selbst schuldig wegen fehlendem Ungehorsam.

3. „Ich gehe zum Aldi/Saturn/Whatever und kaufe…“ – leider falsch. Aldi bzw. Saturn sind Firmen, bei denen man einkaufen geht. Wenn man also bei irgendeinem Aldi einkaufen geht, dann geht man „zu Aldi“; geht man aber im Aldi am XYZ-Platz einkaufen, geht man zum Aldi(-Gebäude).

4. „Das Schutzschild ist abgeschaltet“ – schlichtweg falsch. Spricht man von einem Hinweisschild oder Straßenschild, ist dieses sächlich; von einem Polizeischild oder Schutzschild, im Sinne einer unsichtbaren Barriere oder Teil einer Kampfausrüstung, ist es männlich. Die Mehrzahl von „Das Schild“ lautet deswegen „Die Schilder“ und die Pluralform von „Der Schild“ natürlich „Die Schilde“. Zudem existiert das Wort „Der Schild“ auch schon um einiges länger als „Das Schild“.

5. „ich bin tod“ – mööp, ebenso falsch. Wie mittlerweile fast jeder weiß, bezeichnet „tot“ das Adjektiv des Zustandes, der nach dem Tod, also dem Substantiv, eintritt. Aber halt nicht alle.

6. „Ich habe gejagd“ – siehe oben. Das Substantiv lautet „die Jagd“, das Verb „jagen“ und wird regelmäßig dekliniert. Dementsprechend: „ich jage, ich jagte, ich habe gejagt“.

7. „ich wurde am Zoll durchgewunken“ – ein kleiner Fehler, der nur wenigen auffällt. Aber: Das Verb „winken“ ist ganz normal, also regelmäßig, d.h., es wird wie ein normales deutsches Verb dekliniert – mit „t“ am Ende. Denn wer sagt schon „ich winke, ich wunke“? Schwachsinn. Dementsprechend lauten die passiven Formen hier „ich werde durchgewinkt, ich wurde durchgewinkt, ich bin durchgewinkt worden“. Klingt zwar seltsam, ist aber korrekt.

8. „ich dücke mich“ – genauso wie die umgangssprachlich Form „er bäckt“ leider sprachlich falsch. Zwar in einigen Gegenden sehr verbreitet, heißt das Verb „ducken“, und ist regelmäßig: „er duckt sich, er duckte sich, er hat sich geduckt“. Bei „backen“ dasselbe: „er backt, er backte, er hat gebacken“. Alles andere ist Umgangssprache bzw. falsch.

9. „ich freue mich über deinen Besuch morgen“ – o.ä. ist falsch. Korrekt ist: Man kann sich nur auf etwas freuen, wenn es in der Zukunft liegt. Liegt etwas in der Vergangenheit oder passiert gerade in der Gegenwart, freut man sich über etwas.

10. „so weit ich das beurteilen kann“ – ist das falsch. Ich kann zwar nur „so weit“ mit meinem Auto fahren, bis kein Benzin mehr darin ist, kann aber ohne genaue Analyse „soweit“ nicht beurteilen, wie weit das genau ist. Als logische Verknüpfung bzw. Konjunktion ist „soweit“ mehr dem Verständnis eines Satzes dienlich; die Konstruktion „so weit“ dient bsp. räumlichen Vergleichen. Es gibt aber Ausnahmen hiervon, wie z.B. bei tief in der deutschen Sprache verankerten, festen Satzbauten: Man sagt zwar „so weit, so gut“, aber „soweit ich weiß“. Eine Erklärung dafür ist trotzdem einfach: Bedeutet „soweit“ in einem Satz dasselbe wie „soviel“, „wie“ oder „sofern“, schreibt man es zusammen – ansonsten getrennt.

Und zu guter Letzt noch ein Aufruf an meine Leserschaft, da ich mir selbst etwas nicht erklären kann:

Warum sagt man „im Schadensfall“, „im Krankheitsfall“ aber „im Falle eines Unfalls“? Wegen einer stattfindenden Wortverdoppelung bei „im Unfallsfall“ verteilt man ein vorher zusammengesetztes Wort über einen Satz und fügt noch einen unbestimmten Artikel ein. Wieso eigentlich? 🙄

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~ von NeZ - 30. Juli 2007.

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