Softwarekritik: „SpaceTime“

Zur Zeit geistert ja ein neuartiger, vielumworbener Browser durchs Netz, mit Namen SpaceTime.

Als bekennender Mozilla Firefox-User wollte ich nun genau wissen, was so „toll“ an diesem ist – und habe ihn kurzerhand installiert. Und da ich keine existierende Kategorie hier „besitze“, in der ein solcher Beitrag am Besten passt, hab ich kurzerhand eine neue erschaffen: Softwarekritik – hier also mein erster Beitrag hierzu. 🙂

Aber jetzt erstmal zum Test an sich.

SpaceTime ist ein kostenlos downloadbarer Browser, der hauptsächlich Webseiten wie Google und eBay in 3D darstellt. Dadurch ist es zum Beispiel möglich, den Browser im Hintergrund die ersten 3 Treffer automatisch laden zu lassen, welche dann auch tatsächlich im Hintergrund angezeigt werden (stark ähnlich zum Tabbing aus Windows Vista). Hier zeigt der Browser seine (wenigen) Stärken: Andere Fenster sind beim Tabbed Browsing schon im Hintergrund erkennbar, und müssen nicht extra aufgerufen werden.

Doch leider bringt das nicht viel, da aufgrund der „3D-Ansicht“ nicht jede Site komplett sichtbar ist. Je mehr Tabs offen sind, desto mehr leidet die Übersicht. Da helfen auch die im Browserbereich schlichtweg mies platzierten Pfeile nichts. Klickt man dann auf einen Tab doppelt, „zoomt“ der Bereich auf diese Page und man kann endlich genau so surfen, wie man es gewohnt ist. Die Surfansicht ist nämlich, inklusive Kontextmenü, komplett vom Internet Explorer abgekupfert. Und somit bietet ST genau dieselben, wenigen Funktionen wie der IE, zu nennen wären: Explizites Neuladen einzelner Frames fehlt, keine Plugins, geringer Umfang.

Zudem befindet sich der Browser in einem Stadium, das kaum Möglichkeiten oder Optionen bietet. Das fängt schon beim Download des Setups an: Downloaden kann ich den Browser nur, indem ich meinem Browser erlaube, ein Plugin zu installieren oder indem ich per Kontextmenü „Save Link As…“ auswähle. Bei der Installation läuft das Ganze dann so ab: Starten des Setups, Warten, Starten des Browsers. Wer das Setup startet, hat keinerlei Optionen oder Eingriffsmöglichkeiten mehr, eine Änderung des Installationspfades oder gar ein Abbruch der Installation ist nicht möglich. Einmal gestartet, kann man weder Optionen am Tabbed Browsing vornehmen, noch einen Downloadmanager aktivieren oder ähnliches. Fast alles, was die Optionen bieten, sind potentiell setzbare Häkchen und änderbare Drop-Down-Listen für so „wichtige“ Dinge wie „Transparenz der Tabs“, „3D-Beschleunigung“, „ausgewählte Grafikkarte“, etc. Zudem ist eine History nur teilweise eingebaut, ein gescheites Bookmark-System fehlt zusätzlich – eine Auswahl in die „Favoriten“ ist zwar vorhanden, aber dieses funktioniert auch nur rudimentär. Lustigerweise ist sogar die Symbolleiste nicht einmal einstellbar oder gar veränderbar, aber dort befinden sich eh nur folgende Elemente: Zwei Pfeile für „Forward“ und „Back“, eine Adresseingabe (die jedes neue Fenster automatisch in einem neuen Tab öffnet) und eine SearchBar, die auf Google verweist. Hat das Entwicklerteam überhaupt schonmal einen Browser benutzt? Wenn ja, warum fehlen soviele Funktionen, die man an den drei hauptetablierten Browsern kennt und liebt?

Wer einen echten Browser sucht, der schnell, komfortabel und unkompliziert genau das tut, was man von ihm verlangt, sollte nicht SpaceTime wählen. Vielleicht ändert sich ja noch einiges daran, immerhin befindet sich der Browser noch im Beta-Stadium. Ich halte das jedoch für unwahrscheinlich, denn das würde ohne Übertreibung eine „Generalüberholung“ nötig machen.

Name: SpaceTime
Art: Browser
Entwickler: SpaceTime, genauer gesagt Eddie Bakhash
Kosten: Freeware, zudem kostenlos downloadbar
Voraussetzungen: Windows 2000, XP oder Vista, 512MB RAM, 128MB Grafikkarte, Pentium 4 2.4GHz oder AMD 2400xp+, möglichst 1280 x 1024 Pixel, 32-Bit True Color und 768 Kbits/sec Internetanbindung
Installation: 1/10 (Komplett im Hintergrund, ohne Optionen, nicht einmal Einstellung des Installationspfads)
Benutzerfreundlichkeit: 2/10 (Sperrige Bedienung, scheinbar wahlloses Interface)
Einstellmöglichkeiten: 3/10 (Sehr wenige Optionen, diese beschränken sich hauptsächlich auf die Optik)
Optik: 4/10 (Futuristisch und durchgestylt, jedoch schlichtweg viel zu unübersichtlich)
Arbeitserleichterung & Nutzen: 0/10 (Komplett unnötig, kann alles schlechter was andere Browser auch können, zu hohe PC-Auslastung für effizientes Arbeiten)
Fazit: 10/50

=> So, ich werf den „Browser“ SpaceTime jetzt erstmal in den Papierkorb. Dieses Teil braucht derzeit meiner Meinung nach absolut niemand und taugt nicht einmal zum Angeben. Firefox und Opera sind schlichtweg besser, übersichtlicher, schneller und dank einer Fülle an Einsatzmöglichkeiten eher zum Angeben geeignet als dieses sperrige Ding hier.

[Nachtrag, 20:43 Uhr]
Als ich eben nachträglich weiterrecherchiert hatte, stellte ich fest, dass mein „Blog-Kollege“ Marcus bereits vor 4 Tagen einen Beitrag zu diesem Meisterwerk der Programmierskunst verfasst hat. Zu lesen ist sein Bericht hier.

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~ von NeZ - 16. Juli 2007.

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