Albumkritik: Eisregen: „Blutbahnen“

Da in nächster Zeit diverse neue Alben erscheinen, und ich ja sowieso ein tiefster Fan guter Musik bin, sah ich mich praktisch veranlasst, neben der Filmkritik auch eine Art Musikkritik, bzw. Albumkritik in meine Beiträge einfließen zu lassen. Deswegen lest ihr hier also meine erste Kritik, die sich im Musikbereich ansiedelt. 🙂

So ist also das 6. Album von Eisregen endlich erschienen. Es trägt den wie immer sehr morbiden Titel „Blutbahnen“ und ist wie alle vorher erschienenen Werke der Band dem Dark Metal einzuordnen. Eisregen singt Deutsch – wohl ein Grund mehr, dass die BPjM bereits insgesamt 3 Alben indizierte, zumeist aufgrund von „grausamen, menschenverachtenden, frauenfeindlichen und verrohenden Texten“, so der Originaltext des Indizierungsberichts.
Für mich ganz klar eine Fehlentscheidung, die Alben sind allesamt absolut genial und im Metalgenre einzigartig. Wer mehr darüber lesen will, sollte sich den Wikipedia-Beitrag zu Eisregen durchlesen, der gibt die aktuelle Situation sehr gut wieder. Aber hier geht es jedoch nur um das Album „Blutbahnen“ und die einzelnen Lieder. 11 sind es an der Zahl, und hier im einzelnen anschließend genauer betrachtet.

Jeder Song hat eine Maximalwertung von 10 Punkten, wodurch sich am Ende ein Durchschnitt ergibt, der zwischen 1 und 10 liegt.

Angeführt wird das Album von einem 1:37 langem Intro, genannt „Eine kleine Schlachtmusik„. Wie man sofort hört, baut Eisregen dieses Mal mehr Keyboardparts als noch in Krebskolonie ein, und zu meiner persönlichen Trauer sämtliche Geigenparts aus. Ein Intro sollte meiner Meinung nach den Hörer auf das kommende Album vorbereiten und nicht die Laune von Hausaus verderben. (4/10)

Es folgt der Song „Eisenkreuzkrieger„, in dem der Sänger Michael „Blutkehle“ Roth mal wieder gut zeigt, was er drauf hat. So geht der Song mit einem orchestralen Klang direkt ins Ohr. Der Refrain wuchtet sich zwar etwas leiernd aus den Boxen, letztlich bietet er jedoch alles, was einen guten Eisregen-Song ausmacht. (6/10)

Im Dornenwall“ ist der nächste auf der Liste, ein Song, der direkt unter die Haut geht. Ein schneller Takt und der eher depressive Takt im Stile eines „Das kleine Leben“ überzeugt ebenfalls. Alles in allem guter Song, jedoch plätschert er zum Großteil recht eintönig vor sich hin – musikalisch anspruchsvoll ist etwas anderes, aber das ist man von Eisregen sowieso nicht gewohnt. (5/10)

Mit „Ein Hauch von Räude“ zeigt Blutkehle, dass er sowohl gutturalen wie auch cleanen Gesang einwandfrei beherrscht – und das schnell abfolgend hintereinander! Ein Hammer, der so abwechslungsreich ist wie zuvor nur „Meine tote russische Freundin“ es fertig brachte. Er schafft es hier, unterstützt von einer gut supportenden Leadguitar, den Text mit der altbekannten Stimmgewalt durchs Mikro zu quetschen. Roth in Hochform, auch wenn das Lied am Ende ein wenig an Tempo verliert. (Räude ist übrigens ein anderes Wort für „Krätze“.) (6/10)

Der 5. Song, „17 Kerzen am Dom„, handelt als erster Song von Eisregen von einem realem Thema – dem Amoklauf von Erfurt. Roth beschreibt die Hintergründe ziemlich genau und gut, auch wenn der Song letztendlich viel Trivialwissen einbaut und eher eine Nacherzählung als eine Hommage ist. Das zumindest hätte ich von Eisregen erwartet. Roth wartet einen Großteil des Songs mit cleanem Gesang auf, der sich wie in den vorhergegangenen Songs nicht hinter seinem Gekrächze verstecken braucht. Gut betont und klar verständlich, wie immer supportet von einer mal dahinschleichenden, mal aggressiv schreddernden Gitarre samt passenden Drums unterstützt. So spiegelt der Song detailliert die Gräueltat von „Erfurts schlimmsten Sohns“ Robert Steinhäusers wieder, an welchen Roth die Frage „Was hättest Du all jenen geantwortet?“ in der letzten Minute des Songs richtet. Eisregen lehnt eine solche Tat also offiziell mit diesem Song ab, was auch Roth in einem weiteren Interview danach bestätigt hatte. (8/10)

Es folgt der Titelsong zum Album, „Blutbahnen„, ein wuchtiger, orchestraler und tiefgründiger Song, mit dem Eisregen mal wieder beweisen, wie guter deutscher Dark Metal auszusehen hat. Das Keyboard verleiht dem Song eine ganz eigene Note, der komplett cleane Gesang Roths passt wie die Faust aufs Auge – für mich ganz klar ein Glanzstück des Albums! (9/10)

Alphawolf“ folgt, ein eher unkomplizierter, zum Tanzen anregender Song, der ohne Kompromisse dahinkrächzt. Viel gibts dazu nicht zu sagen, außer, dass hier der Takt eine sehr wichtige Rolle spielt, der zudem den Song über den Status eines normalen Songs von Eisregen hinaushebt und in der Form seltener zu finden ist. (6/10)

Der nächste ist „Frischtot„, seines Zeichens 8. Song und ein Liebessong – jedoch wie von Eisregen gewohnt sehr morbid und zynistisch. Des Erzählers Flamme ist eine Art Schwarze Witwe, der er am Anfang frisches Menschenfleisch besorgt und sich gegen Ende des Songs aus Liebe sogar selbst opfert. Ein Teil cleaner Gesang, ein Teil guttural, dazu die typisch bratzenden Gitarren sowie die taktlos und dabei so passenden Drums sorgen dafür, dass der Song nach… Eisregen klingt. (4/10)

Ein von vornherein in der Titelliste komisch erscheinender Song namens „Schlachthaus-Blues“ ist der 9. auf der Liste. Ein teilweise leiernd klingender Song, ein wenig neumodern – wenn der Text nicht wäre, ruft er doch förmlich zum Morden auf. Er geht jedoch tief ins Ohr, klingt im ersten Teil des Refrain verträumt und wechselt sich mit dem zweiten Teil wie die alte Story mit den Jägermeistern. Hehe. Und sieh da: Roth kann tatsächlich perfekt cleanen Gesang, und hier beweist er es zugunsten der Fans noch einmal! Ein geiler Song, der sogar singlewürdig wäre. Neben „Blutbahnen“ und „Schneuz dir den Kasper“ (siehe weiter unten) einer der besseren Songs des Albums, was nicht zuletzt am Refrain liegt. (10/10)

Der vorletzte ist „Zurück in die Kolonie„, was nicht nur vom Klang und dem Keyboardeinsatz an „Krebskolonie“ aus dem gleichnamigen Album erinnert. Auch erzählt der Song die Geschichte der Seele des Massenmörders, der sich am Ende von „Krebskolonie“ selbst erschießt und nun wiederkehrt, um auch die letzten Negativen, also die letzten Überlebenden der Pest, zu ermorden. Um sich danach zum nunmehr zweiten Mal selbst zu richten, natürlich. Verboten gut schunkelt und wippt sich der Song in das Gehör des Horchenden. Wer „Krebskolonie“ gemocht hat, wird diesen Song lieben. Ich tu das auf jeden Fall! (9/10)

Der letzte Song ist „Schneuz dir den Kasper!„, welcher zynisch und zugleich ein wenig melancholisch eine schöne Welt vorspiegelt, und wie man sie erreicht. „Schneuz dir den Kasper, schneuz ihn dir heftig, schneuz ihn dir hart, dann scheint für dich wieder die Sonne, und die Vöglein singen im Park…“ – Halt mal, ist hier von Selbstbefriedigung die Rede? Es sieht ganz so aus, und typisch wäre es auch. Absolut genialer Text, der für ein glückliches Leben nur zwei Wege vorsieht: Andauernde Selbstbefriedigung oder Selbstmord. 😀 Der Refrain ruft zum Grinsen auf, der Song klirrt mit seinen Keyboardparts schaurig-schunkelnd aus den Boxen, dass es nur so raucht! Letztendlich ganz großes Kino und meiner Meinung nach klar bester Song des Albums! (10/10)

Fazit:
Ein gewohnt gutes Album von Eisregen, welches leider etwas lahm und gewohnt anfängt und sich erst gegen Ende hin deutlich steigert. Besonders der Titelsong und die letzten 3 Lieder bieten ganz große Unterhaltung, was sicher jeden Fan von Eisregen mehr als zufrieden stellen wird – auf jeden Fall ein würdiger Nachfolger des Vorgängeralbums „Wundwasser“. Leider, leider wird dieses Album aufgrund einiger Songs (besonders „Frischtot“ und „Schlachthaus-Blues“) wohl sicher indiziert werden, also am besten vorher zugreifen. 🙂

1. Auftakt: Eine kleine Schlachtmusik – 1:37 (3/10)
2. Eisenkreuzkrieger – 4:20 (6/10)
3. Im Dornenwall – 4:36 (5/10)
4. Ein Hauch von Räude – 5:54 (6/10)
5. 17 Kerzen am Dom – 6:27 (8/10)
6. Blutbahnen – 5:24 (9/10)
7. Alphawolf – 4:28 (6/10)
8. Frischtot – 4:17 (4/10)
9. Schlachthausblues – 6:21 (10/10)
10. Zurück in die Kolonie – 6:11 (9/10)
11. Schneuz den Kasper! – 5:31 (10/10)

Insgesamt: (7/10)

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~ von NeZ - 12. Mai 2007.

4 Antworten to “Albumkritik: Eisregen: „Blutbahnen“”

  1. Hi der Song 17 Kerzen am Dom ist nit die erste reale Blutat die Eisregen aufgreift…das erste mal war der Ripper von Rostow aus dem album WW

  2. Wobei „Ripper von Rostow“ die Geschichte dieses Kannibalen und Massenmörders nur ungefähr wiedergibt, und einige geschichtliche Tatsachen teilweise oder gar komplett auslässt. 🙂

    „17 Kerzen am Dom“ sehe ich damit als erstes Lied, bei dem absolut nichts hinzugefügt wurde oder der Fantasie Roths oder einem anderen entsprungen ist. 😉

  3. 17 Kerzen am Dom..
    ..War da nicht der Amoklauf in Erfurt, hinterm Dom?

  4. @Tobla: Lies dein Beitrag nochmal. Und diesmal: Lies ihn richtig. 🙄

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