Steinreich im Irak

Der Irak ist nur ein Land unter vielen, das offiziell den Islam als Staatsreligion angibt. Offiziell sind hier über 97% aller Bewohner Muslime. Daneben gibt es natürlich noch andere Religionsgemeinschaften, z.B. Jesiden. Dass sich diese mitunter nicht verstehen, ist wohl so Brauchtum dort – aber was sich hier letztens abspielte, naja:

Eine 17-jährige Frau kurdischer Abstammung und jesidischen Glaubens verliebte sich in einen Araber muslimischen Glaubens und lief deswegen von Zuhause weg. Die Familie wollte das Mädchen aber scheinbar wiederhaben, und bat es, nach Hause zurückzukehren. Als sie allerdings am 7. April heimkehrte, wurde sie neben der Familie von ~1000 Männern erwartet, welche sie „halbnackt auszogen, misshandelten und öffentlich steinigten“, laut der Assyrian International News Agency.

Wer nicht weiß, was steinigen genau ist: Bei einer Steinigung wird das „Opfer“ bis zu den Knien im Boden eingegraben und der Rest des Körpers mit einem undurchsichtigen Tuch verhüllt. Nun wirft der Mob solange Steine, die nicht größer als die Hand des Werfers sein dürfen, auf den zum Tode verurteilten, bis dieser tot ist. Diese Prozedur kann teilweise über eine Stunde dauern, aber das ist auch das Ziel: Die Hinrichtigung so schmerzvoll zu gestalten wie möglich. Irgendwo hab ich mal gelesen, dass das schon öfter jemand überlebt hatte und dann z.B. im Krankenhaus wieder gesund wurde – um danach in einem berichteten Fall erneut gesteinigt worden zu sein. Das ist ein Rechtssystem, dagegen kann man unseres ja direkt knicken. 😉

In diesem Fall wurde das Mädel zudem vom mittlerweile im Blutrausch befindenden Mob zusammengetreten und letztendlich durch einen großen Stein, an den Kopf geworfen, getötet. Polizisten standen daneben, taten aber nichts.

Gut, soweit, so traurig, jetzt folgt der Grund, warum das Ganze hier überhaupt drinsteht:

Das Ganze wurde natürlich per Handy aufgenommen, wie es scheinbar bei jeder Hinrichtung neuerdings der Fall ist. Alá „Juhu, da stirbt einer!“ – Handy raus und flugs aufgenommen. 😀
Folgen hat das Ganze übrigens keine – außer für das Mädchen natürlich. Hust. Denn mittlerweile wurde erstmal eine Kampagne gegründet, welche auf den schönen Namen „International Campaign against killings and stoning of women in Kurdistan“ hört, die die kurdische Regionalregierung im Irak auffordert, die Schuldigen zu bestrafen.

Aber die Schuldigen werden dann wohl eher mit der „Regional kurdish Campaign against international Campaigns against killings and stoning of women in Kurdistan“ kontern, um seinerseits mit einer „Revenge Campaign financed by Government against regional kurdish Campaigns against international Campaigns against killings and stoning of women in Kurdistan“ genannten Kampagne ausgekontert zu werden.

Sinn des Ganzen?
Keiner, denn das Mädchen bleibt tot…

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~ von NeZ - 3. Mai 2007.

2 Antworten to “Steinreich im Irak”

  1. Der letzte Satz ist eine großartige Beschreibung unserer schönen Welt – wir haben keine Beschäftigung, also suchen wir „Ersatzbefriedigung“, und um diese zu rechtfertigen geben wir ihr einen Grund, der mit alledem nichts zu tun hat. Findet sich leider überall, und nicht nur in Kurdistan.

  2. Es hat ja mit der Story etwas zu tun, aber eine Kampagne bringt nichts, wenn sie zu spät kommt.
    Zu Kampagnen oder Revolutionen aufrufen kann jeder, aber Nutzen sollten sie schon haben – und den kann ich bei der hier tatsächlich gegründeten Kampagne „International Campaign against killings and stoning of women in Kurdistan“ einfach nicht erkennen kann.
    Als ob ein muslimisch geprägter Staat wie dieser einfach sein Volk verärgern will, indem es Regeln erlässt, die gegen die Thora verstoßen. Ehebruch z.B wird dort ja weiterhin mit Steinigung vergolten, das ist dort halt Gesetz, bzw. Thora. 😉

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