Filmkritik: Scarface

Na, da tue ich mir aber einen ziemlichen Monumentalfilm an…

Zuallererst jedoch, wie immer, zur Story: Wie historisch belegt, öffnet Fidel Castro 1980 den Hafen Kubas, um kubanisch-amerikanische Familien wieder zusammenzubringen. Doch zwingt er die Familien, über 25.000 vorbestrafte Kriminelle von Kuba in die U.S.A. zu bringen, da Castro diese in seinem Land nicht brauchen kann. So kommen die meisten von ihnen in Miami an. Darunter ist auch Tony Montana (Al Pacino), ein Ex-Knacki und geborener Kubaner. Anders als viele seiner Landsleute hasst er Kolumbianer, Castro und den Kommunismus. Er wird zusammen mit seinen Freunden in eine Art Knast und Sammelstelle zugleich gesteckt, die sogenannte „Freedom Town“. Nachdem sich zeigt, dass er nur dann sein Glück machen kann, wenn er dem örtlichen organisiertem Verbrechen beitritt, bringt er im Auftrag eines noch anonymen Gönners für eine Green Card einen ehemaligen, hochrangigen Kommunisten um, den Castro ebenso weggeschickt hatte.
Er lernt jenen unter dem Namen Frank Lopez (Robbert Loggia) kennen, für den er nun längere Zeit arbeitet. Gleich beim ersten, richtigem Auftrag stirbt einer seiner besten Kumpels durch einen kaltblütigen Kolumbianer vor seinen Augen durch die Kettensäge, was Tony nur noch machtgieriger und seinerseits kaltblütiger macht. Er schließt den Auftrag mit Hilfe seiner restlichen Leute, darunter Manny Ray (Steven Bauer) ab und zeigt Frank, wie nützlich er ihm sein kann. Die nächste Station ist Bolivien, wo Tony ohne Zustimmung Franks einen millionenschweren Vertrag mit Alejandro Sosa (Paul Shenar) abschließt und nebenbei Franks nervigen Assistenten Omar Suarez (F. Murray Abraham) mit der für Tony überraschenden Anklage des Hochverrates loswird. Frank zeigt sich davon gar nicht begeistert, auch das Heranmachen an seine Freundin Elvira (Michelle Pfeiffer) stört ihn. Den Besuch des korrupten Bullen Mel Bernstein (Harris Yulin) hat Tony genauso wie das 2-Mann-Killerkommando, welches Tony verletzt überlebt, Frank zu verdanken. Aus Rache tötet er anschließend gut geplant Mel und Frank und heiratet Elvira, wodurch er sich zum Gangster- und Drogenkönig Miamis aufschwingt.
Nach einer Zeit des Wohlstands folgt jedoch sein Absturz, welcher mit einem Streit und der Trennung von Elvira in einem Restaurant beginnt. Kurz danach wird er verhaftet wegen Geldwäsche – er schafft es zwar dank seinem Anwalt und Alejandro freizukommen ohne ins Gefängnis zu müssen, steht dann aber bei Alejandro in dessen Schuld. Aus Gewissensbissen erledigt er den ihm übertragenen Auftrag nicht, und erzeugt Alejandros Zorn dadurch. Zurück in Miami erschießt er seinen Freund Manny Ray im Affekt, da dieser ein Verhältnis mit seiner Schwester Gina Montana (Mary Elizabeth Mastrantonio) hat. Seine Erkenntnis, dass sein Handeln falsch war, kommt allerdings zu spät.
Ein größeres Killerkommando von Alejandro dringt in sein Haus ein, tötet seine restlichen Freunde und anschließend die einzige Person, die ihm jetzt noch geblieben ist – seine Schwester Gina. Er dreht durch, nimmt sein M16-MG mit 40-mm M203-Granatwerfer und stellt sich dem Kommando. Durch das viele Kokain in seinem Körper wird er teilweise gefühlstaub, und bringt in einer letzten Schlacht mehr als 50% des Killerkommandos eigenhändig um. Trotz zig Kugeltreffern hält ihn nichts auf, wie verrückt weiterzuschießen und erst durch einen von hinten über den Balkon ins Haus gekommenen Attentäter findet die Schlacht ein jähes Ende: Tony stirbt durch einen Schuss dessen Schrotflinte und fällt durch die Brüstung in den Brunnen seines Hauses.
Scarface ist in Deutschland in einer indizierten, ungeschnittenen und in einer wesentlich kürzeren, geschnittenen Version erhältlich – ich hatte mir erstere angesehen, und teile zwar die Ansicht über die Indizierung nicht, finde aber, dass sich nur Leute über 16 Jahren diesen Film ansehen sollten, da Tonys Handeln und Sprache eindeutig nicht für Unter-16-jährige geeignet sind – derbe Kraftausdrücke, ständiges Fluchen und blutige Ballereien sind hier an der Tagesordnung.
Ansonsten, was die Story angeht: Will man wirklich den Film komplett erklären, müsste man mehr Zeichen verwenden, als hier wohl hinpassen – ein tiefsinniger Film über den Aufstieg und Fall eines Drogenbarons, den sein eigenes Gewissen und sein schizophrener Charakter zum Verhängnis werden. Aber schuld an allem sind letzten Endes nur die Drogen – was der Regisseur El Palma auch mit der letzten Szene, die einen toten Tony Montana in seinem eigenen Brunnen vor einer „The World is Yours“-Statue zeigt, wohl auch ausdrücken wollte. Scarface ist kein Actionfilm, kein Thriller, und erst recht kein typischer Gangsterfilm, und trotzdem war er Vorbild für viele spätere Filme in diesen Genres. Auch viele PC- und Videospiele wie z.B. „GTA – Vice City“ haben den Film als Vorbild, so ist zum Beispiel Tommy Vincettis Villa stark an Tony Montanas Villa angelehnt, besonders, was Brüstung vor dem Büro und das Büro selbst angeht.

Titel: Scarface
Erscheinungsjahr: 1983
Altersfreigabe: FSK SPIO/JK (Indiziert)
Genre: Drama
Dauer: ca. 160 Minuten
Darsteller: 5/5 (Al Pacino ist einfach spitze, auch der Rest überzeugt.)
Dialoge: 5/5 (Derbe und passend, coole Sprüche zuhauf.)
Story: 5/5 (Tiefgründig, melancholisch und soo genial.)
Klamotten & Kulisse: 3/5 (Realistisch, nix besonders tolles.)
Effekte: 3/5 (Passend, mehr kann man von 1983 nicht erwarten.)
Fazit: 21/25

=> Der Film zählt in diversen Kreisen als Kultfilm schlechthin. Nun, nachdem ich ihn selbst gesehen habe, weiß ich auch, wieso. Leiht ihn euch irgendwo aus, kauft ihn oder ladet ihn irgendwo runter – mir Wurst. Denn jedenfalls gehört dieser Film zu den besten Filmen, die jemals gedreht wurden, die beklemmende Atmosphäre sowie der coole Hauptdarsteller Al Pacino tun ihr Übriges.

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~ von NeZ - 25. Februar 2007.

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